Multiple Sklerose - "Time is brain"

Das Ziel: Keine Zeit verlieren

In der Behandlung von MS ist es das oberste Ziel, Krankheitsaktivität zu erkennen und einzudämmen. Die Krankheitsaktivität sollte einerseits so früh wie möglich und andererseits auch so nachhaltig wie möglich unterdrückt werden. Gelingt dies, haben Patienten die Chance auf einen günstigeren Krankheitsverlauf.1-7

Warum spielt die Zeit bei MS eine entscheidende Rolle?

Unbehandelt schreitet eine Multiple Sklerose bei den meisten Patienten im Laufe der Zeit fort. Doch was viele nicht wissen: Auch unter medikamentöser Therapie besteht die Krankheitsaktivität bei vielen Patienten fort.8 Diese Aktivität der MS zeigt sich durch Schübe, manchmal aber auch nur durch neue Läsionen im MRT. Selbst wenn keine Anzeichen oder Symptome von MS zu beobachten sind, kann die Krankheit weiterhin aktiv sein und voranschreiten. Langfristig hat dies ein hohes Risiko für eine zunehmende Behinderung zur Folge. Im Laufe der Zeit ist ein Großteil der Betroffenen in ihrem täglichen Leben, in ihrer Lebensqualität und in ihrer Unabhängigkeit eingeschränkt.

Je später die Krankheit diagnostiziert und eine wirksame Behandlung begonnen wird, desto höher ist das Risiko, dass körperliche und geistige Funktionen unwiederbringbar verloren gehen.5 Aktuell vergeht zwischen den ersten Anzeichen der MS und dem Behandlungsbeginn mit bis zu 2 Jahren noch zuviel Zeit.9 Vor diesem Hintergrund hat sich die internationale Initiative „Brain Health – Time matters in multiple sclerosis“ zum Ziel gesetzt, über Herausforderungen und Chancen einer besseren Versorgung von Patienten mit MS aufzuklären.9 Neben einer früheren Krankheitsdiagnose und einem frühzeitigen Beginn mit wirksamen Medikamenten setzt sich die Initiative dafür ein, den Krankheitsverlauf der Patienten engmaschig zu überwachen, um dann - bei Bestehen von Krankheitsaktivität - auf wirksamere Medikamente umzusteigen.

Warum sollten Betroffene bei den ersten Anzeichen einer MS frühzeitig einen Neurologen aufsuchen?

Das Gehirn hat eine hohe Fähigkeit, Funktionsstörungen zu kompensieren. Betroffene nehmen charakteristische, krankheitsbedingte Veränderungen in der Frühphase der MS deshalb in der Regel nicht als solche wahr. Typische Symptome – vor allem Müdigkeit, Schmerzen, Sehstörungen, Taubheitsgefühle und Kribbeln – erscheinen zunächst unspezifisch und sind meist nur vorübergehend.10-13 Sind die Symptome dann wieder abgeklungen, verspüren Betroffene keinen Bedarf zum Arzt zu gehen. Bleibende Schäden wie eine eingeschränkte Beweglichkeit entstehen erst, wenn die Fähigkeit des Gehirns, Funktionsstörungen zu kompensieren, erschöpft ist. Eine MS wird daher oft erst spät erkannt, meist erst nach dem dritten Krankheitsschub.

Der Faktor "Zeit" bei MS

Warum verliert das Gehirn bei Multipler Sklerose an Volumen?

Mit fortschreitendem Alter ist ein Rückgang von Volumen und Masse des Gehirns (Hirnatrophie) in gewissem Umfang auch bei gesunden Menschen normal. Bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) ist dieser Rückgang des Gehirnvolumens allerdings durchschnittlich bis zu zehnmal stärker.14,15 Man vermutet, dass dafür vor allem die Auflösung von Nervenverbindungen an den Entzündungsherden im Gehirn ursächlich ist. Dieser Volumenverlust setzt in der Regel bereits vor Diagnose der MS ein. Die Folgen dieser Veränderung werden jedoch aufgrund der Regenerationsfähigkeit des Gehirns von den Betroffenen oft nicht bemerkt.

[1] Coles AJ., Neurotherapeutics 2013; 10 (1): 29-33
[2] Coles AJ et al., J Neurol 2006; 253 (1): 98-108
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[7] Noyes K, Weinstock-Guttman B, Am J Manag Care 2013; 19 (17 Suppl): S321-31
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[9] Giovannoni G et al., Brain health - Time matters in multiple sclerosis 2015 (Link)
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[13] Scalfari A et al., Neurology 2013; 81 (2): 184-92
[14] Filippi M, Agosta F, J Magn Reson Imaging 2010; 31 (4): 770-88
[15] Giorgio A et al., Neuroimaging Clin N Am 2008; 18 (4): 675-86

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